Von Sex Work, Hurenpass und einem Sundowner ohne Sonne

Ein „Lusttreffen“ mitten in einer Ausstellung über Sexarbeit – rund 20 Clubschwestern kamen im August in der Bundeskunsthalle zusammen, um sich genau diesem Thema zu widmen.

Begleitet von einer kunstgeschichtlichen Führung ging es auf eine spannende Zeitreise quer durch die Jahrhunderte. Besonderes Merkmal der Ausstellung ist, dass sie Sexarbeiter/innen nicht nur zum Gegenstand macht, sondern sie selbst immer wieder zu Wort kommen lässt. Kleine persönliche Beiträge, Videos und Originaldokumente geben Einblicke in Lebens- und Arbeitswelten, die den meisten von uns sonst fremd sind.

Gesprächsstoff lieferte direkt die aktuelle Gesetzgebung. In Deutschland ist Prostitution zwar legal, aber streng reguliert. Die Pflicht zur Anmeldung und Gesundheitsberatung bringt die sogenannte Anmeldebescheinigung mit sich, auch „Hurenpass“ genannt. In der Ausstellung wurde deutlich, wie umstritten diese Regelungen unter Betroffenen sind – nicht zuletzt, weil eine Registrierung die Stigmatisierung noch verstärken kann. Auch das sogenannte nordische Modell, bei dem nicht die Sexarbeiterinnen, sondern die Freier kriminalisiert werden, wurde vorgestellt und kontrovers beleuchtet.

Im Anschluss diskutierten wir kritisch. Die Ausstellung wirkt zeitgeschichtlich, dokumentarisch und angenehm frei von moralischem Zeigefinger. Auf einige von uns aber auch ein wenig verharmlosend: Armut, Abhängigkeiten, Menschenhandel und die prekären Lebenssituationen, die Frauen in die Prostitution führen können, hätten aus Sicht einiger von uns mehr Raum bekommen dürfen.

Und wo diskutiert es sich besser als bei einem Sundowner auf dem Dach der Bundeskunsthalle? So zumindest der Plan. Ein sturzflutartiger Regenguss machte uns einen Strich durch die Rechnung. Der Stimmung tat das keinen Abbruch: ohne Sundowner diskutierten wir einfach unterm verregneten Museumsdach weiter…!

Ein spannender, nachdenklicher und sehr geselliger Abend – kurzum: ein rundum gelungenes Lusttreffen.