Im Rahmen unseres Mai-Clubabends durften wir Dr. Sabine Ferenschild vom SÜDWIND – Institut für Ökonomie und Ökumene in Bonn begrüßen.
In ihrem Vortrag beleuchtete sie die Arbeitsbedingungen von Frauen in der Bekleidungsindustrie in Asien und zeigte auf, welche Möglichkeiten Lieferkettengesetze bieten, um menschenwürdige Arbeitsbedingungen in globalen Produktionsketten zu stärken.
Am Beispiel Bangladesch, wo Millionen – überwiegend Frauen – in der Textilindustrie arbeiten, wurde die ambivalente Rolle der Branche deutlich: Einerseits eröffnet sie Frauen eigene Einkommensmöglichkeiten und damit neue gesellschaftliche Perspektiven, andererseits bestehen weiterhin häufig prekäre und ausbeuterische Arbeitsbedingungen.
Frau Dr. Ferenschild erläuterte die Entwicklung internationaler und nationaler Regelwerke zum Schutz von Arbeitnehmer*innen, insbesondere im Anschluss an den Fabrikeinsturz von Rana Plaza 2013, der als Wendepunkt in der Debatte um Unternehmensverantwortung gilt. Sie machte das Dilemma vieler Produktionsländer deutlich, die sowohl den Schutz ihrer Arbeitnehmerinnen als auch die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Exportwirtschaft sichern müssen. Hier setzen Lieferkettensorgfaltspflichten an, indem sie Verantwortung stärker bei den einkaufenden Unternehmen verankern und so zu besseren Arbeitsbedingungen im sog. globale Süden beitragen sollen.
Roll-Back auch bei Frauenrechten in der Lieferkette
Die Referentin hob zudem die ambivalente Entwicklung in diesem Politikfeld hervor: Ein wachsendes Regelwerk ersetzt zunehmend freiwillige Selbstverpflichtungen und zeigt erste Wirkung. Diese Fortschritte stehen jedoch unter politischem Druck durch Roll-back-Tendenzen, in denen der Schutz von Menschen- und insbesondere Frauenrechten teils als „Bürokratiemonster“ diskreditiert wird, was bereits erreichte Standards gefährdet.
Gerade hier sehen die Soroptimistinnen eine zentrale Aufgabe: Bewusstsein zu schaffen, Entwicklungen kritisch zu begleiten und Verantwortung einzufordern – ganz im Sinne unseres Mottos „Bewusstmachen, Bekennen, Bewegen“.
Der Abend stieß auf großes Interesse und führte zu einer lebhaften Diskussion im Kreis der anwesenden Clubschwestern.
Mehr Informationen zu SÜDWIND gibt es hier: https://www.suedwind-institut.de
